Handelspolitik

Unternehmen der Schiffbauindustrie und der Meerestechnik sind auf dem Weltmarkt einem extremen internationalen Wettbewerb ausgesetzt, der durch Marktinterventionen von Regierungen erheblich verzerrt wird. Dies gilt vor allem für die Schiffbauindustrie, die aufgrund ihrer Schlüsselfunktion für die industrielle Entwicklung vieler Länder massiv von den jeweiligen Regierungen finanziell unterstützt wird.

Internationale handelspolitische Regeln, die durch Organisationen wie die WTO oder die OECD etabliert wurden und in den meisten Branchen disziplinierend wirken, bleiben für den Schiffbaumarkt weitgehend unwirksam. Auch Zölle sind im Schiffbau in den meisten Fällen für den Ausgleich von Marktverzerrungen ungeeignet. Das Fehlen internationaler Regeln führt in Boomzeiten oft zum Aufbau von Überkapazitäten, die in schwächeren Perioden aufgrund von staatlichen Rettungsmaßnahmen für die Unternehmen nicht abgebaut werden und chronische Ungleichgewichte im Markt verursachen.

Wegen der vorhandenen staatlichen Eingriffe in dem Segment Schiffbau hofft die maritime Industrie in Deutschland und in Europa aktuell auf erfolgreiche Handelsabkommen mit Kanada und den USA.

Das Comprehensive Economic and Trade Agreement, kurz CETA (dt. Umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen) ist ein geplantes europäisch-kanadisches Freihandelsabkommen und soll dazu führen, dass der derzeitige 25-prozentige Schutzzoll auf Schiffsneubauten aus Europa abgebaut wird. Dies würde  allen europäischen Werften einen besseren Zugang zum kanadischen Markt verschaffen. Außerdem soll das öffentliche Beschaffungswesen für Firmen aus Europa geöffnet werden, was weitere Chancen böte.

Noch gravierender könnte eine erfolgreiche TTIP-Verhandlung, dem geplanten Transatlantischen Handelsabkommen zwischen der EU und den USA, für die europäischen Werften sein. Denn durch die protektionistische US-Gesetzgebung durch den Jones Act dürfen derzeit keine Schiffe, die nicht in den USA gebaut wurden innerhalb der USA eingesetzt werden. Dies führt u. a. dazu, dass die US-Werften technologisch und auf der Kostenseite nicht mehr konkurrenzfähig sind und das der LKW-Verkehr im Vergleich zu Europa viel größer ist, da der Bau entsprechender Schiffe zu teuer ist.

Darüber hinaus ist für eine Reihe technisch anspruchsvoller Schiffstypen in den USA kein Know-how mehr vorhanden. Eine Öffnung des Marktes würde also auch für die USA eine Reihe von Chancen eröffnen.